Text: Elizabeth Suter, Schulleiterin Terra Nova und Jarrod Brauer, Schulleiter academia Bilingual School Basel.

Bilingualer Unterricht an Schulen rund um den Globus hat in den letzten 20 Jahren enorm zugenommen.

Nachdem Einsprachigkeit unter der Weltbevölkerung allmählich zur Ausnahme wird, ist diese Entwicklung nachvollziehbar.

Die Ziele der Europäischen Union in diesem Zusammenhang sind noch ehrgeiziger:

Ein Gründungsprinzip der EU besagt, dass es jeder EU-Bürgerin und jedem EU-Bürger ermöglicht werden soll, neben der Muttersprache in zwei Fremdsprachen zu kommunizieren.

Heutzutage wird der bilinguale Unterricht mittels ausgefeilter Lehrpläne, Best Practices beim Unterrichten und fortschrittlicher Sprachlernmethoden gestaltet.

Dabei gibt es vier Faktoren, die für die zweisprachige Lernentwicklung eines Kindes ausschlaggebend sind (siehe z.B. Flege et al. 1999, Piske et al. 2001, Piske 2013a, b.).

Dazu gehören:

  1. Ein möglichst früher Beginn
  2. kontinuierlicher und intensiver Kontakt zur Fremdsprache
  3. häufiger Gebrauch der Fremdsprache in verschiedenen und relevanten Kontexten
  4. authentischer und reichhaltiger fremdsprachlicher Input durch Lehrkräfte mit einer hohen Sprachkompetenz

Alle vier Punkte sind wichtig,

aber die beiden letzteren müssen in einer modernen Unterrichtsumgebung intensiver berücksichtigt werden, da sie dem Prinzip der Immersion Rechnung tragen.

Empirischen Studien zufolge sind Immersionsprogramme der beste Weg, eine zusätzliche Sprache zu erlernen (siehe Wesche 2002, S. 362, Burmeister & Daniel 2002, Kersten 2009).

Das Immersionsprinzip beruht auf einem facettenreichen, authentischen fremdsprachlichen Input von muttersprachlichen Lehrkräften oder Lehrkräften mit nahezu muttersprachlicher Sprachkompetenz im Rahmen eines qualitativ hochwertigen zweisprachigen Unterrichts.

Im täglichen Schulbetrieb der Terra Nova wird das Unterrichtskonzept der Immersion konsequent umgesetzt.

Der Unterricht erfolgt gleichmässig aufgeteilt eine halbe Woche lang in einer deutschsprachigen Lernumgebung und eine halbe Woche lang in einer englischsprachigen Lernumgebung mit ausgebildeten, muttersprachlichen Lehrpersonen.

Die Zusammenarbeit dieser Lehrkräfte als Team ist von zentraler Bedeutung für die erfolgreiche Vermittlung unseres Lehrplans.

Alle Fächer werden fortschreitend und abgestimmt von beiden Lehrpersonen in beiden Sprachen unterrichtet, ähnlich wie in einer traditionellen Schule.
Trennung der Sprachen im Laufe der Woche unterstützt die Entwicklung einer klaren Abgrenzung zwischen den Sprachen, was das Erlernen einer Fremdsprache erleichtert.

Terra Nova ist noch einen Schritt weitergegangen und hat in den letzten zwei Jahren grosse Anstrengungen unternommen, um die Abstimmung zwischen den Lehrpersonen und Sprachen zu stärken.

Ein Beispiel dafür sind unsere Lern- und Arbeitsbücher in Mathematik. Nach einem Jahr Übersetzungsarbeit und Feinabstimmung starteten wir im August 2018 den Unterricht mit unseren brandneuen bilingualen Mathebüchern.

Maths World 1 für den ersten Zyklus (Grundstufe bis 2. Klasse), herausgegeben vom Schulverlag plus AG, ist eine wunderbare Ergänzung, die Schüler und Lehrer dabei unterstützt, Kontinuität in unserem Mathematikkurs zu entwickeln.

Im August 2019 erfolgten die ersten Massnahmen für eine Fortsetzung im zweiten Zyklus (3. und 4. Klasse). Dieser Mathematikkurs, der auf dem Schweizer Lehrplan basiert, ist eines der aktuellste Mathematikbücher in der Schweiz, und an der englischen Version haben die academia Schulen das Exklusivrecht.

Die Richtung, mit dem das Werk unseren Matheunterricht erweitert hat, ist von unschätzbarem Wert. Für die Lehrpersonen ist es immens hilfreich, dank der exakt gleichen Gliederung, Gestaltung und Abfolge sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch den Schülerinnen und Schülern eine klare und kontinuierliche Methodik bieten zu können.

Es ist heute wissenschaftlich belegt, dass bilinguale Schülerinnen und Schüler die Fähigkeiten ihrer einsprachigen Mitschüler erreichen oder übertreffen.

Es ist erwiesen, dass sie auch in Bezug auf ihre rechnerischen Fertigkeiten von dieser Unterrichtsform profitieren.

Es verwundert daher nicht, dass Forscher das Zitat „Der bilinguale Unterricht ist die einzige Art, Kinder im 21. Jahrhundert zu unterrichten“ (Garcia 2011, Zitat aus dem Englischen übersetzt) so oft anführen.

Leseempfehlungen

Elsner, D. & Keßler, J.-U. (Hg.) (2013), Bilingual Education in Primary School. Aspects of Immersion, CLIL, and Bilingual Modules.
Tübingen.

Massler, U. & Burmeister, P. (Hg.) (2010). CLIL und Immersion. Fremdsprachlicher Sachfachunterricht in der Grundschule.
Braunschweig: Westermann.

Rüschoff, B., Sudhoff, J. & Wolff, D. (Hg.) (2015). CLIL Revisited: Eine kritische Analyse zum gegenwärtigen Stand des bilingualen Sachfachunterrichts.
Frankfurt am Main: Peter Lang.

Steinlen, A.K. & Piske, T. Academic achievement of children with and without migration backgrounds in an immersion primary school: A pilot study. ZAA Zeitschrift für Anglistik und Amerikanistik.
A Quarterly of Language, Literature and Culture 61.3, 215-244.

Steinlen, A.K. & Piske, T. (Hg.) (2016). Bilinguale Programme in Kindertageseinrichtungen: Umsetzungsbeispiele und Forschungsergebnisse.
Tübingen: Narr Verlag.